Sebastian Krämers neues Album, „Liebeslieder an deine Tante“ (Reptiphon, Vertrieb: Broken Silence), präsentiert einen Künstler, der sich gängigen Einordnungen störrisch, aber erfolgreich widersetzt: Ist er eher Chansonnier, Liedermacher, Kabarett- oder Kleinkunst-Songschmied? Ein begnadeter Tastenmann, der sich textlich eher an einem Schwarzhumoristen wie Georg Kreisler, an einem verschmitzten Spötter wie Ulrich Roski, oder an einem Sarkasten wie Rainald Grebe orientiert? Man weiß es nicht. Zugleich ist Krämer ein Romantiker, Melancholiker, begnadeter Fabulierer und Phantast. Musikalisch scheinen seine oft von ebenso aufwändigen wie wunderschönen Streicherarrangements unterstützten Klavierballaden bisweilen eher von der Klassischen als der zeitgenössischen Populären Musik beeinflusst worden zu sein. Vielleicht könnte man ihn als Protagonisten des noch zu erfindenden Genres Great German Songbook – in Anlehnung an das amerikanische Pendant – bezeichnen.

Das Auftaktstück „Deine Tante“ mag zwar eingängiger als manch späte Tastenballade von Herbert Grönemeyer daher kommen, aber der würde seiner Angebeteten wahrscheinlich auch nie aufs Brot schmieren, dass er sogar mag, wie sie „eine Mettwurststulle isst“. Und statt „Flugzeuge im Bauch“ wie der in Bochum aufgewachsene Star zu besingen, kreisen bei dem Wahlberliner „die Flugzeuge über meinem Garten“ – so lautet der Name eines der 16 Titel des Albums. Wer sich auf die oft surreal anmutende Welt des Sebastian K. einlässt, wird sich dabei ertappen, ebenso so oft zu staunen wie zu schmunzeln.

Klaus Gosmann