Manfred Maurenbrecher setzt sich auf seinem zwar schon im März veröffentlichten, aber immer noch aktuellen Album, „Inneres Ausland“ (Reptiphon, Vertrieb: Broken Silence), einmal mehr mit der Welt, sich selbst und den Widersprüchlichkeiten, die uns alle umgeben, auseinander. Der Berliner Liedermacher ist ein geübter Beobachter,  geschliffener Formulierer und  Melancholiker, ohne dabei in Misanthropie abzugleiten. Und Humor hat er auch noch.

Maurenbrecher ist  zugleich scharfsinnig, melancholisch und poetisch. Sein Tastenspiel am Flügel kommt unspektakulär, aber unverkennbar individuell daher. Er ist kein Schnelligkeits-Magier,  aber  umso besser vermag er es als Pianist  zumeist in den mittleren Tempo-Regionen, seine  Texte rüberzubringen. Darin geht es von ökologischen Belangen (“Jetzt auf einmal gehts”) über “Wölfe in Brandenburg”  bis hin zu den Einsatzmöglichkeiten  einer “Schüttmulde”  – so lautet der Titel eines der 16 Lieder des Albums.

Äußerst gekonnt und präzise beschreibt der mittlerweile 70-jährige Songwriter in “Der Chor”, wie beim gemeinsamen Singen im Chorformat Personen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen zusammen finden, von denen viele sich mutmaßlich sonst eher wenig zu sagen hätten. Passend zu diesem Thema kommt dabei auch ein Chor zum Einsatz.

Das Album wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik im dritten Quartal dieses Jahres ausgezeichnet. Zu Recht: Denn der promovierte Germanist Maurenbrecher ist ein ganz Großer unter den deutschen Liederschmieden.

Klaus Gosmann