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Auf dem (Dach)-Boden geblieben

Achter Teil der »Jung & Laut«-Serie mit »Octopus Prime«

Von StefanBoes
Mehr als zehn Jahre zurück reicht die Geschichte der Band »Octopus Prime«, die eng verbunden ist mit einem Dachboden in Verl. Dort probt das achtköpfige Reggae-Rock-Kollektiv und dort ist die CD »The Attic Sessions« entstanden. Passenderweise im achten Teil der Serie über lokale Bands stellt OWL AM SONNTAG »Octopus Prime« vor.

»Acht Tentakel, acht Musiker. Octopus Prime kommt aus der Tiefsee, um euch mit seinem submarinen Reggae-Rock mit auf seine Reise durch die Strömungen der Musik zu nehmen.« Wenn das nicht vielversprechend klingt, was die Band da über sich sagt. Als Strömung und musikalische Reise lässt sich ihre Musik tatsächlich gut beschreiben. Mindestens fünf Minuten dauern die Stücke in der Regel, in denen mit- oder nacheinander Gitarre, Orgel, Saxofon, Posaune, Melodica, Bass, elektronische Sounds, Schlagzeug, Percussions und mehrstimmiger Gesang auftreten.
»Octopus Prime« kreieren eine Mischung aus alten jamaikanischen Stilen wie Dub, Reggae und Ska, und kombinieren sie mit Elementen der Rockmusik und elektronischen Sounds. Dieser Stil ist über Jahre gereift und hat sich immer wieder gewandelt, wie Christoph Symann (25), Posaunist der Band, berichtet: »Es gab mehrere Brüche in der Entwicklung der Band.« Ihre Geschichte reicht schon mehr als zehn Jahre zurück. Vier der heutigen »Octopus Prime«-Mitglieder gründeten damals »Blockhead«. Die Musik war da noch stärker im Punkrock verwurzelt, aber auch schon mit Bläsern ausgestattet. 2006 wurde, fast in der heutigen Besetzung, »The Skapitanos« als Ska-Band gegründet. 2010 folgte die Umbenennung in »Octopus Prime«. Musikalische Evolution, wie die Band das nennt.
Geprobt wird seit jeher auf dem Dachboden im Hause Symann in Verl. Vater und Klavierbaumeister Michael Symann (50) hat unter dem Dachboden seine Werkstatt. Bei »Octopus Prime« spielt er Hammondorgel und Keyboards. Ebenfalls auf dem Dachboden eingerichtet hat sich Sohn Dominik Symann (28), Sänger und Gitarrist der Band. Der studierte Musikproduzent hat hier mittlerweile sein eigenes Tonstudio aufgebaut. Unter dem Namen »Kalawa Recording« nimmt er auch andere Bands auf.
Dass der Dachboden (»attic«) sogar im Titel der in diesem Sommer erschienenen CD »The Attic Sessions« auftaucht, soll die besondere Entstehungsgeschichte der Lieder dokumentieren. »Die fünf Songs sind allesamt innerhalb von fünf Proben entstanden«, so Schlagzeuger Florian Hans (26). Nicht aus vorherigem Songwriting, sondern allein aus der gleichzeitigen Improvisation der acht Musiker heraus wurden die neuen Stücke entwickelt. »Wir jammen recht viel bei unseren Proben«, so Florian. »Weil wir uns so lange kennen, funktioniert das ziemlich gut.«
Wer die Dachbodenses-sions, die man in digitaler Form kostenlos über die Bandhomepage herunterladen kann, hört, wird das bestätigen. Die Musiker verstehen ihr Handwerk und sie verstehen es, ihre Instrumente so miteinander zu kombinieren, dass jedes zur Geltung kommt ohne jeweils zu großen Raum zu beanspruchen. Die Band legt viel Wert auf dynamische und lebendige Songstrukturen und auf einen Groove, der sich – kongenial von Schlagzeuger Florian Hans und Bassist Jan Fiete Volkmer (34) getragen – durch alle Songs zieht. Abwechselnd stehen die starken Gesangspassagen von Dominik Symann und Léa Landwehr (24) und die von den Bläsern dominierten Instrumentalparts im Vordergrund.
Für die Zukunft sind weitere Konzerte geplant. Während die Band in der Vergangenheit zumeist in der hiesigen Region gespielt, soll es für das Kollektiv mit den acht Tentakeln demnächst auch über Nordrhein-Westfalen hinausgehen. »Während auf der Oberfläche der Müll der Massenproduktion treibt, zieht der Octopus seine eigenen Kreise durch die Tiefen des musikalischen Ozeans.« So kann man es auch ausdrücken.
Ihr seid ebenfalls musikalisch in Ostwestfalen-Lippe aktiv und wollt Euch und Eure Musik in OWL AM SONNTAG präsentieren? Dann schickt eine Mail an owlamsonntag@ westfalen-blatt.de. Die Artikel dieser Serie erscheinen auch auf: www.zentralmusik-owl.de.

Artikel vom 02.11.2014