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Mit Leichtigkeit in eine ehrliche Welt abtauchen

Das Bild »Cinema« zeigt Tauben, die wie Menschen in Kinosesseln sitzen. Im Atelier am Kamp sind jedoch nicht nur tierische Motive zu finden.Foto: Christina Ueckermann

Einflüsse von drei Kulturen prägen die Bilder von Renata Al-Ghoul

Von Christina Ueckermann
Paderborn. 14 Tauben sitzen auf roten Kinositzen, verhalten sich, als wären sie Menschen. Besonders die Charaktere der Tiere sind es, die Renata Al-Ghoul faszinieren. In ihren Bildern bringt sie diese Faszination zum Ausdruck.

Beim Betrachten ihrer Werke wirkt es fast unglaubhaft, wenn Renata Al-Ghoul erzählt, dass sie erst vor fünf Jahren mit der Malerei begonnen hat. Unzählige Bilder zieren die Wände in ihrem Atelier am Kamp 25 (Eingang Grube). Die Motive sind dabei so vielfältig wie die Künstlerin selbst.
Renata Al-Ghoul ist in Polen geboren. Während ihres Studiums hat sie ihren Mann, der aus Palästina stammt, kennengelernt. Zusammen zogen die beiden 1977 nach Deutschland, wo sie in Paderborn und Bad Lippspringe heimisch wurden. »So lebe ich in einem Spannungsfeld von drei Kulturen, was meinen Bildern sehr zu Gute kommt«, sagt Renata Al-Ghoul.
Besonders interessieren die Künstlerin politische Themen. »Ich lese viel in Zeitungen«, sagt sie. Statt Leserbriefe zu verfassen, drückt sie ihre Emotionen in Bildern aus. So sind zum Beispiel Bilder zum Afghanistankrieg entstanden, ebenso hat sich die Künstlerin Gedanken zum Irakkrieg gemacht. Ein Bild zeigt zum Beispiel einen Ägypter, einen Jordanier und einen Saudi, die in ein leeres Bohrloch schauen.
Gerne malt Al-Ghoul Motive aus der Tierwelt. »Tiere haben so verschiedene Charaktere, die sich gut auf Menschen übertragen lassen«, sagt sie. So post zum Beispiel der machohafte italienische Hahn Sergio auf einem ihrer Bilder und zum Thema »Phishing«, dem Datenklau im Internet, schnappen dicke Fische nach Geldmünzen.
»Meine Motive entstehen in meinem Unterbewusstsein, im Alltag, beim Lesen, Hören, Aufregen und Träumen. Meine Gedanken liefern Begriffe, von denen manche hartnäckig hängen bleiben. Wie ein Puzzle setzen sich die Bilder in meiner Fantasie zusammen, bis die richtige Ausdrucksstärke erreicht ist«, erklärt sie. Mit ihren Bildern möchte Renata Al-Ghoul die Wirklichkeit schärfen und ihre Sicht auf die Dinge darstellen. »Medien stellen aktuelle Themen oft negativ und deprimierend dar. Man muss in meinen Werken zwischen den Zeilen lesen, dann werden Emotionen geweckt und Fantasien beflügelt.« Ihre Bilder strahlten eine Leichtigkeit auf die Dinge aus, die für die slawische Kultur typisch ist.
Beim »Tag des offenen Ateliers« bietet Renata Al-Ghoul Besuchern in ihrem Atelier noch einen Höhepunkt. Innenarchitektin Brigitte Vorströher, die auch Gedichte schreibt, wird aus ihren Werken vorlesen.

Artikel vom 22.05.2011