Im Norden von New Mexico entspricht der Wilde Westen den Klischees. Albuquerque, Santa Fé, Taos, Los Alamos – dort tummeln sich die Touristen, die perfekt inszenierte Indianer-Romantik suchen. Sorgfältig instand gehaltene Adobe-Bauten prägen das Bild, die Infrastruktur ist dem Mainstream angepasst.

Dabei verdient der Süden des US-Bundesstaats das Prädikat »wild« viel eher. Gnadenlose Hitze, Einsamkeit, karge, bisweilen archaisch anmutende Landschaften prägen das Bild. Und wenn dann doch einmal eine Ortschaft kommt, dann ist es ein Kaff wie Truth or Consequences.

Wie bitte? Ungläubiges Staunen sei meist die Reaktion auf den Namen ihres Wohnorts, erzählt Jessica Meyers. »Wenn ich mit Stromversorgern oder Banken telefoniere, fragen die mich auch gerne mal, ob ich sie veräppeln will.« Etwa 7000 Menschen leben in der Kleinstadt, deren Name vielen Menschen wohl eher als ein beliebtes Partyspiel bekannt ist. Auf eine Frage muss dabei entweder eine ehrliche Antwort auf eine meist intime Frage gegeben werden (Wahrheit), oder eine meist schwierige oder peinliche Herausforderung bestanden werden (Pflicht).

Die Stadt müsse mehr aus sich machen und den einprägsamen Namen für den Tourismus nutzen, sagt Mark Newman, der Touren durch die Stadt und zum nahegelegenen »Spaceport America« anbietet, von dem demnächst Touristen ins All fliegen sollen. »Der Weltraumflughafen wird sicher viel verändern und viele Menschen hier herbringen.
Dabei sind es ohnehin meistens Raumfahrtenthusiasten, die es in diese Region verschlägt. Denn die White Sands Missile Range, die im Gegensatz zum Spaceport America viele Attraktionen bietet, liegt ebenfalls nur ein paar Kilometer entfernt. Dorthin brachten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg den deutschen Raketenentwickler Wernher von Braun. Er legte den Grundstein für das Mondlandeprogramm. Auf Besucher warten zahlreiche Raketenmodelle von der V2 bis zu den Patriots. Ein abgelegener Teil des Militärgeländes, die Trinity Site, diente als Testgelände, wo am 16. Juli 1945 die erste Atombombe gezündet wurde.

Während dieses Gelände heute nur sehr eingeschränkt im Rahmen von Führungen besucht werden kann, ist der White Sands Nationalpark (Foto: Thomas Albertsen) die wohl beliebteste Naturattraktion der Region: eine riesige Gipssandwüste.

Lesen Sie mehr über New Mexico hier und auf den Reiseseiten der OWL AM SONNTAG-Ausgabe vom 1. September.