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Endstation
Silberhochzeit?

Stephanie Katerle berät Paare in Lebens- und Sinnkrisen

Von DanielaLang
Paderborn.Die Kinder sind aus dem Haus, das Eigenheim ist abbezahlt, der Garten gepflegt – und der Bund fürs Leben scheint am Ende. Neueste Zahlen belegen: Immer mehr Ehen in Deutschland werden nach 25 Jahren und mehr geschieden. Endstation Silberhochzeit?

»Das muss nicht sein«, sagt Paarberaterin Stephanie Katerle aus Paderborn. Zu ihr kommen Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden – so wie Paare, die nicht mehr wissen, wie ihre Beziehung fortsetzen können. Oft fehlt es diesen Paaren an gemeinsamen Aufgaben und Zielen. Sie sehen keinen Sinn mehr in der Ehe, hören einander nicht mehr zu und sprechen oft schon jahrelang nicht mehr miteinander. »Viele berichten von dem Erlebnis, zusammen in eine Endlosschleife zu geraten. Immer dieselben Zankäpfel, immer dieselben Diskussionen, dieselben Verletzungen«, berichtet Stephanie Katerle.
Eine Patt-Situation, aus der sich weder die Paare selbst, noch Angehörige oder Freunde die Betroffenen befreien können. Erst das Gespräch mit einem unbeteiligten und unparteiischen Dritten ermöglicht es, sachlich zu diskutieren, sich zu öffnen, gemeinsame Ressourcen wieder zu entdecken und – vielleicht – gemeinsam neue Ziele zu definieren.
Gemein ist allen ratsuchenden Paaren, dass sie mit einer großen Unzufriedenheit ins Gespräch gehen. Wenn nicht ständiger Streit den Ehealltag belastet, kann es auch der Umstand sein, dass die Beziehung nach vielen Jahren einfach »rund gelutscht« ist: ohne Ecken, ohne Kanten, jeder weiß, was der andere denkt oder im nächsten Moment sagt. Es gibt keine Überraschungen mehr.
Andererseits können auch übersteigerte Wünsche an die Ehe Gefühle wie Frust und Unzufriedenheit auslösen. Stephanie Katerle: »Es gibt Paare, die meinen, es müsste immerzu zischen, prickeln und tagtäglich vor Leidenschaft knistern. Aber das ist nicht realistisch. Im Gegenteil, die Leidenschaft erfährt oft schon nach relativ kurzer Zeit einen ersten Knick.« Ganz zu schweigen von Kindern, »dem Lustkiller Nummer eins«, wie die Paarberaterin zu berichten weiß.
Kein Paar ist wie das andere, jedes Problem ist anders gestrickt: Einige verstehen einander nicht mehr, andere beklagen womöglich zu wenig Nähe und Geborgenheit. Wieder andere empfinden die Sexualität als unbefriedigend oder haben bereits eine Affäre. Belastungen im Beruf, finanzielle Sorgen, Probleme mit Kindern oder Patchwork-Konstellationen bergen ebenfalls Zündstoff für die Zweisamkeit. Genauso wie Gewalt, Aggression und Sucht. »Manche Paare berichten, sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt zu haben. Das ist nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass die Ehe am Ende ist«, sagt Stephanie Katerle. »Manchmal muss man auch einen paar Schritte auseinander driften, um wieder zusammen zu finden.«
Dabei ist es ihr wichtig, dass die Beratung ergebnisoffen verläuft: »Es ist nicht zwangsläufig das Ziel, die Beziehung zu retten oder gar zu reparieren, damit sie wieder in der Spur läuft. Vielmehr sollen die Klienten mit meiner Hilfe ihre eigene Spur finden – als Individuum und als Paar – und sich aneinander bereichern.«
Dazu gehört auch, dass in den Gesprächen Raum ist für gemeinsame Erinnerungen. Wichtige Stationen auf dem gemeinsamen Lebensweg werden markiert – »und oft wird auch einfach herzlich gelacht«, berichtet Stephanie Katerle. Sie ermutigt Paare, professionelle Hilfe rechtzeitig in Anspruch zu nehmen und nicht erst »eine Minute vor zwölf« aus der Reserve zu kommen.
Der Trend, sich als Paar prophylaktisch in die Obhut eines Experten zu geben, ist in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen. Aber Stephanie Katerle ist überzeugt: »Professionelle Hilfe für Ehefragen in Anspruch zu nehmen, wird bald so selbstverständlich sein wie der Besuch beim Friseur oder beim Steuerberater.«
www.erstens-hoch-zwei.net

Artikel vom 09.06.2013