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Ein Herz für
arme Tiere

Bielefeld hat jetzt eine Ausgabestelle der Tiertafel Deutschland

Von Frank Tippelt
Bielefeld. Endstation Tierheim. Weil immer mehr Menschen ihr Haustier nicht versorgen können, geben sie es ab. Damit wollte sich Jennifer Ibrom nicht zufriedengeben: Die 28-Jährige gründete vor wenigen Wochen mit vier Frauen die Bielefelder Tiertafel.

»Finanzielle Not« - so lautet nach einer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes in 69 Prozent der Fälle die Begründung, warum ein Tierhalter sein Haustier im Tierheim abgibt. Für Claudia Hollm aus Rathenow ein Alarmsignal: 2006 gründete die Programmiererin die erste Tiertafel in Deutschland. Nunmehr 23 Städte folgten dem Beispiel der Brandenburgerin und schlossen sich dem Dachverband in Rathenow an, darunter eine Gruppe engagierter Frauen aus Bielefeld.
»Unser Ziel ist, die artgerechte Haltung von Haustieren bedürftiger Menschen zu unterstützen«, sagt Jennifer Ibrom, die, wie ihre Mitstreiterinnen, alle Arbeiten ehrenamtlich leistet.
Tiertafel Deutschland - Ausgabestelle Bielefeld heißt es jetzt seit acht Wochen. Zumindest auf dem Papier, denn das wichtigste fehlt der Bielefelder Tiertafel noch: die Ausgabestelle. »Es ist nicht leicht, in der Stadt vernünftige Räume zu finden, die wenig oder gar keine Miete kosten«, sagt Jennifer Ibrom.
Dabei ist der Wunschzettel gar nicht üppig: 60 bis 100 Quadratmeter zu ebener Erde, in denen Vorräte gelagert und einmal die Woche ausgegeben werden können, dazu ein kleiner Raum für vertrauensvolle Gespräche mit neuen Bedürftigen und eine Bushaltestelle in Rufweite könnten die Arbeit der Tiertafel Bielefeld stark beschleunigen. Wobei Angebote nicht weiterhelfen, wie es der Tiertafel jüngst unterbreitet wurde: »Wir hätten 500 Euro Miete zahlen müssen. Aber erstens haben wir das Geld nicht, und zweitens: Hätten wir es, könnten wir es für Futter und Gebrauchsgegenstände besser ausgeben«, so Jennifer Ibrom. Deshalb sei jedes ernsthafte Angebot willkommen.
Immerhin 500 Menschen gehen einmal die Woche zur Frankfurter Tiertafel, um dort Futter und Zubehör entgegenzunehmen. »So viele werden es in Bielefeld gewiss nicht sein«, sagt Jennifer Ibrom, »aber mit einigen Dutzend rechne ich schon.«
Sie werden Futter für drei bis vier Tage mitnehmen dürfen, für die restliche Zeit müssen sie selbst sorgen: »Wir wollen schon, dass die Bedürftigen nicht ihre Verantwortung abgeben.« Aus diesem Grund ist es auch Bedingung, dass jeder, der zur Tiertafel kommt, einen Nachweis über seine Bedürftigkeit (Gehaltsbogen, Rentenbescheid) sowie darüber erbringt, dass er sein Tier bereits vor Eintritt der Bedürftigkeit gehalten hat (Impfpass, Tierarztrechnungen). Nur so könne vermieden werden, dass sich jemand ein Tier anschafft, weil es ja die Tafel gibt: »Alles, was wir anbieten, ist nur für wirklich Bedürftige gedacht«, unterstreicht Jennifer Ibrom die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens.
Die Idee zur Einrichtung der Tiertafel kam der Informationswirtin während ihrer Elternzeit: »Ich wollte die Zeit nutzen und etwas sinnvolles tun.« Die Gründungsmitglieder - eine Modedesignerin, eine BWL-Studentin, eine Lehrerin, eine Sozialpädagogin und Jennifer Ibrom - freuen sich jederzeit über weitere ehrenamtliche Helfer, über Futter- und Sachspenden sowie über kleine und große Geldbeträge, die die Arbeit der Ehrenamtlichen erst möglich machen. Auch praktisches Mobilar für die künftigen Räume nimmt die Bielefelder Tiertafel gern entgegen. Geplant ist, die Ausgabestelle einmal die Woche abends für drei bis vier Stunden zu öffnen.
Die Mitglieder der Bielefelder Tiertafel treffen sich zweiwöchentlich donnerstags 20 Uhr im Restaurant Schlosshof, Schloßhofstraße 73a. Auskunft erteilt Jennifer Ibrom unter der Rufnummer (0521) 3 99 62 62.

Artikel vom 11.10.2009